Der Weg zum CI

Das CI-Zentrum München steht für gebündelte Kompetenz auf dem Gebiet des Hörens und der Sprache. Die nunmehr jahrzehntelange Zusammenarbeit von Spezialisten (Ärzte verschiedener Fachrichtungen, Audiologen, Hörgeräteakustiker, Ingenieure, Logopäden) in Klinik und Forschung bietet unseren Patienten ein breites Leistungsspektrum und eine optimale Betreuung - von der Diagnose bis zur Rehabilitation und Nachsorge.

Voruntersuchungen

Die Überweisung an das CI-Zentrum München erfolgt in der Regel durch Ihren HNO-Arzt. Um abzuklären, ob ein CI für Sie oder Ihr Kind hilfreich ist, werden vor der Implantation zunächst audiologische und radiologische Untersuchungen durchgeführt. Diese Untersuchungen sollen zeigen, ob es sich um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit handelt, die nicht mehr hörgeräteversorgbar ist, und ob es die Anatomie des Ohres erlaubt, eine Elektrode in die Cochlea einzuführen.

Audiologische Voruntersuchungen

Bestimmung der Hörschwelle ohne und mit Hörgerät
Bestimmung des Sprachverständnisses ohne und mit Hörgerät.
Hirnstammaudiometrie (engl.: BERA = Brainstem Evoked Response Audiometry): Computerhörtest, bei dem mittels Klebeelektroden auf der Schädeloberfläche die elektrischen Antworten von Hörnerv und Hirnstamm auf einen akustischen Reiz aufgezeichnet werden.
Promontorialtest: Elektrische Stimulation des Hörnervs. Dieser Test wird nur notwendig, wenn auf dem zu implantierenden Ohr kein Resthörvermögen mehr nachweisbar ist.

Radiologische Untersuchungen

Computertomographie (CT): Hochauflösendes Felsenbein-CT zur Darstellung der Anatomie des Ohres und des Schädelknochens.
Magnetresonanztomographie (MRT bzw. Kernspinuntersuchung): Bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Weichteilstrukturen des Ohres.

Untersuchungen zur Sprech- und Sprachentwicklung

Erfassung des Sprachentwicklungsstandes und ggf. entwicklungsneurologische Diagnostik bei Kindern sowie Beurteilung der Sprachkompetenz bei Erwachsenen.

Beratungen / Abschlußbesprechung

Aus den Ergebnissen der Voruntersuchungen stellt das CI-Team die Indikation zur Implantation. Mit den Mitgliedern des CI-Teams finden ausführliche Beratungsgespräche statt, die dazu beitragen sollen, realistische Erwartungen zu entwickeln. Im Rahmen des Abschlußgespräches legen wir mit Ihnen das weitere Vorgehen (Auswahl des Implantats, OP- und Ersteinstellungs-Termin) fest.

Die Operation

Die Operation nimmt durchschnittlich zwischen einer und zwei Stunden in Anspruch. Die Risiken entsprechen im Wesentlichen denen eines normalen chirurgischen Mittelohreingriffs. Die Dauer des Krankenhausaufenthalts beträgt rund 5-7 Tage und hängt vom individuellen Heilugsverlauf ab.
OP-Verlauf: Nach Durchtennen der Haut direkt hinter der Ohrmuschel (die Narbe wird später unter den Haaren nicht mehr sichtbar sein) wird im Knochen hinter dem Ohr eine Mulde für das Implantatgehäuse gefräst und anschließend ein Zugang zum Mittelohr geschaffen. Hier wird der Verlauf des Gesichtsnerven besonders berücksichtigt. Die Cochlea wird durch ein ca. ein Millimeter großes Loch eröffnet, durch das die Stimulationselektrode in die Gehörschnecke einführt wird. Nach der Fixierung von Elektrode und Implantatgehäuse wird noch im Operationssaal ein Funktionstest des Implantats durchgeführt. Die Lage der Elektrode wird mittels einer Röntgenaufnahme kontrolliert. Nach der Operation kann es zu Schwindel kommen, der in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage verschwindet. Postoprative Schmerzen treten selten auf, der Eingriff ist insgesamt wenig belastend. In unserem Haus werden Sie von kompetenten Chirurgen mit langjähriger Erfahrung operiert. Die Expertise unserer Ohrchirurgen garantiert die Anwendung modernster Operationstechniken.

Zum ersten Mal mit einem Cochlea-Implantat hören - die Anpassung des Audioprozessors

Nach kompletter Abheilung der Operationswunde (drei bis fünf Wochen) erfolgt die Erstanpassung des Prozessors in unserer Klinik, bei sehr kleinen Kindern zumeist in Kooperation mit dem Kinderzentrum München. Diese Anpassung wird bei uns im Haus von Ingenieuren im Rahmen eines einwöchigen Autenthalts im CI-Zentrum druchgeführt. Dabei wird eingestellt, wie die akustischen Signale in elektrische Impulsmuster umwandelt werden. Diese Einstellung wird mit Ihnen individuell erarbeitet. Paralell zur Anpassung des Sprachprozessors findet immer ein begleitendes Hörtraining durch eine speziell ausgebildete Mitarbeiterin statt. In anschließenden ambulanten Terminen wird die Einstellung feinabgestimmt.

Hörtraining

Das Hörtraining soll den erstversorgten CI-Träger an die völlig neue Klangwelt des Hörens mit dem CI heranführen. Die sinnvolle Verarbeitung der nun elektrisch erzeugten Höreindrücke braucht Zeit und Übung, die durch ein gezieltes Hörtraining sowohl auf Geräusch- wie auch auf Sprachebene unterstützt werden soll. Dazu werden im Schwierigkeitsgrad individuell angepasste Hörangebote gemacht, wie z.B. Geräuscheerkennung und -unterscheidung, Worterkennung und -unterscheidung oder das Verstehen von ganzen Sätzen. Immer wird anfänglich mit visueller Unterstützung gearbeitet, sei es das Mundbild oder eine Bild-/Schriftvorlage. Beim erfahrenen CI-Träger ist das Übungsniveau entsprechend höher. In jedem Fall soll das Hörtraining mehr Sicherheit schaffen und nicht zuletzt Spaß bringen, eben als Eroberung einer neuen Welt des Hörens.




Hörimplantat-Zentrum
Hals-Nasen-Ohrenklinik
Klinikum rechts der Isar

Prof. H. Bier

Sprache ist ein wesentlicher Bestand­teil menschlicher Kommunikation, Hören eine der Grundlagen zum Verstehen von Sprache. Einschränkungen des Hörvermögens führen häufig zu einer Beeinträchtigung des Sprachverstehens und damit der Kommunikationsfähigkeit. Reichen konventionelle Hörgeräte nicht mehr aus, ein Sprachverständnis zu erlangen, können moderne Innenohrprothesen, sogenannte Cochlea-Implantate (CI) die Funktion des Innenohrs ersetzen. Somit ermöglicht die CI-Versorgung Gehörlosen und ertaubten Patienten wieder ein Hören und damit die Möglichkeit der lautsprachlichen Kommunikation.

Prof. Dr. med Henning Bier

Hals-Nasen-Ohrenklinik
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität
Ismaninger Straße 22
D-81675 München
Tel. 089 4140 9090, Fax 089 4140 9091
E-Mail: CIteam@lrz.tum.de